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Sticken, um Straßenkindern zu helfen

Roswitha Löhr veranstaltet wieder ihren vorweihnachtlichen Benefiz-Basar

Artikel vom Westfalenblatt am 21.10.2010

Von Wolfgang Braun
Erkeln (WB). Der Venezuela-Basar bei Roswitha Löhr in den letzten Oktobertagen, das ist in Erkeln das untrügliche Zeichen: Die Vorweihnachtszeit bricht an.

Am Sonntag, 24. Oktober, ist es wieder soweit. Roswitha Löhr (71) hat dann von 13 bis 18 Uhr volles Haus im Lindenweg 7. Jetzt schon wirkt der geräumige Kellerraum wie ein gut ausgestatter Laden mit hervorragend gearbeiteten Handarbeitsartikeln. Absolute »Hingucker« sind Engelfiguren mit feinziselierten Flügel, die aus nach der Hardanger-Technik bestickten Stoff zusammengenäht sind. Im Erdgeschoss werden Kaffee und Kuchen angeboten.

Basar 2010
Die gelernte Herrenschneiderin veranstaltet diesen Benefiz-Basar zugunsten eines Kinderheim in der venezuelanischen Hauptstadt Caracas jetzt schon zum 13. Mal. »Mein Bruder lebt seit über 50 Jahren in der südamerikanischen Metropole«, berichtete Roswitha Löhr. Bei einem ihrer Besuche hatte sie das Kinderheim »Casa José Gregorio Hernandes« kennengelernt. »In dem Heim leben vorwiegend Kinder, die entweder keine Eltern mehr haben oder die verstoßen wurden«, beschreibt sie die Verhältnisse. »Eben Straßenkinder«, fügt sie hinzu. Die Kinder hätten viel Leid erlebt, seien Opfer von sexuellem Missbrauch oder anderer Misshandlungen geworden, hätten in mitten von Kriminalität oder Alkoholismus vegetiert.
In dem Heim mit angeschlossener Schule werden die Mädchen und Jungen von drei Nonnen betreut. Seit 1998 organisiert Roswitha Löhr Vorweihnachtsbasare zugunsten des Kinderheims. Das Geld, dass 2009 eingekommen ist, hatten die Nonnen dafür aufgewendet Schulmaterial, Schulbücher und Schuluniformen zu kaufen. Schwester Josefina und Schwester Maribel vom Orden »Las Servidoras del Senor« (Dienerinnen des Herren) bedankten sich in einem Schreiben vom 1. Juli 2010 bei der »lieben Freundin«: »Danke, dass Sie mit uns den Traum teilen, unseren Kindern eine bessere Zukunft zu geben«, schrieben sie. Zuletzt war sie 2006 selbst in Caracas gewesen.
Der Basarerlös kommt direkt und in voller Höhe den Kindern im Heim zugute. Allerdings könne das Geld nicht überwiesen werden, weil der Staatpräsident Hugo Chavez es verbiete, Devisen einzuführen, berichtet Roswitha Löhr. »Wir schicken das Geld an Freunde in Venezuela, die es dann den Schwerstern im Heim zuleiten«, schildert sie die Umwege, die eingeschlagen werden müssen. Vor Jahren hätte sogar die deutsche Botschaft eingeschaltet werden müssen, um die zunächst beschlagnahmten Spendengelder wieder freizubekommen.
Unterstützt wird Roswitha Löhr von acht Frauen aus Erkeln, die wie sie selbst das ganze Jahr über an der Basarvorbereitungen arbeiten. Unterstützt wird der Arbeitskreis unter anderem auch von dem Höxteraner Handarbeitswarengeschäft Uhe, das Wolle und andere Artikel zur Verfügung stellt. Bei dem Basar werden überwiegend liebevoll und sorgfältig gearbeitete Textilien und gestickter Weihnachtsbaumschmuck angeboten.

 
  • Artikel vom 21.10.2010
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