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Häuser bereiten Anwohnern Sorgen

Westfalenblatt-Artikel vom 10.02.2011

Leer stehende Gebäude rufen Bürger auf den Plan - Kreis kann erst bei drohender Gefahr handeln

 Von Frank Spiegel
Erkeln (WB). Viele Erkelner Bürger sind sauer. Ursache ist das Haus an der Ecke Neue Straße/Im Rhedertal. »Rattenburg« wird das schon lange nicht mehr bewohnte Gebäude genannt, der Bezirksausschuss kämpft seit zig Jahren um den Abriss.

»Wir fühlen uns von den Behörden im Stich gelassen«, sagt Bezirksausschussvorsitzender Hermann Steinhage (CDU). Die Enttäuschung kennt im Ort keine Parteigrenzen. »Seit ich in Erkeln wohne ist das Haus Thema«, weiß auch Sozialdemokrat Ekkehard Korte. Gern hätte man dort zum Beispiel vor Jahren das Feuerwehrgerätehaus gebaut, man habe aber nicht verkaufen wollen, erinnert er sich. Damals seien die Eigentumsverhältnisse seines Wissens noch schwierig gewesen, das habe sich inzwischen aber geändert. Die Problematik leer stehender Wohnhäuser, die nach und nach verfallen, gibt es auch andernorts im Kreis Höxter. »Als untere Bauaufsichtsbehörde können wir vom Kreis aber erst dann eingreifen, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet ist«, berichtet Kreis-Pressesprecherin Silja Polzin. Liege ein Mangel vor, müsse der Eigentümer diese Gefährdung beseitigen. Zu einer Abrissverfügung sei es bislang im Kreis aber noch nicht gekommen. »Für die Wahrung des Gesichtes ist das Dorf selbst zuständig«, sagt Silja Polzin. Mit großer Begeisterung und auch großem Erfolg nähmen viele Orte seit Jahren an dem Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« teil. Sonst bleibe im Zweifelsfall nur das Gespräch mit den Eigentümern des betroffenen Gebäudes.
Auch in Erkeln habe man seitens des Bezirksausschuss die Eigentümer mehrfach auf den Zustand des Gebäudes angesprochen, sei dort aber nicht auf Resonanz gestoßen, bedauern Hermann Steinhage und Ekkehard Korte. Wünschen würden sie sich den Abriss. Auch der Erkelner Siegfried Wöstefeld sieht das so. »Für angrenzende Gebäude ist dieser Schandfleck eine klare Wertminderung«, meint er. Dass von dem Haus eine unmittelbare Gefahr ausgeht, hat Nachbar Norbert Hanke erlebt: »Vom Dach ist schon mal eine Sandsteinplatte runtergekommen. Wenn da einer gestanden hätte . . . « Mit mulmigem Gefühl schaut er auch auf den Giebel des Hauses. Teile der Holzerkleidung sind schon abgefallen, auf dem Dachboden gelagertes Stroh wird sichtbar. Die Eigentümer des Hauses waren für das WESTFALEN-BLATT für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
»Wir kämpfen in den Dörfern gegen Leerstände, da sind solche Zustände kontraproduktiv. Wer will denn ein Gebäude kaufen, das in der Nähe eines solch verwahrlosten Hauses steht«, meint Hermann Steinhage. Besonders bedauerlich im vorliegenden Fall findet Ekkehard Korte die Lage: »Wer in den Ort kommt, sieht als erstes dieses Haus. Was ist denn das für eine Visitenkarte?« Erkeln habe sehr viel von der Dorferneuerung profitiert, da passe so ein Gebäude nicht ins Bild.
Wie Silja Polzin berichtet, haben gestern zwei Mitarbeiter des Kreises Höxter als zuständige Bauaufsicht eine Baukontrolle in Erkeln durchgeführt und geprüft, ob die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet ist. »Jetzt wird zügig entschieden, ob der Kreis Höxter als Bausufsicht tätig werden wird«, sagt sie.
Regelmäßig mit dem Haus befassen muss sich auch die Stadt Brakel. Ordnungsamtschef Rudolf Schröder: »Wir haben schon dazu aufgefordert Zweige zurückzuschneiden und im Winter zu räumen«, berichtet er. Das sei dann auch geschehen.
Die Erkelner befürchten derweil die Entwicklung eines weiteren Sorgenkindes: An der Ecke Bellerweg/Untere Bachstraße steht ein ungenutztes Gebäude, in dem es vor Jahren an Heiligabend gebrannt hat.

 

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